Premiere
Am 5. September 2020 war es endlich soweit. Meine erste Seife sollte entstehen: das allseits beliebte »25er« Anfänger-Rezept.
Das »25er«-Rezept heißt so, weil es vier Fette zu je gleichen Anteilen, also je 25% enthält, in meinem Fall:
- Kokosfett Palmin hatte ich noch da
- Palmfett hab vor Ort tatsächlich kein reines Palmfett bekommen, was aber wiederum den Vorteil hat, dass man »kbA« bestellen kann
- Olivenöl gibt’s überall
- Rapsöl gibt’s inzwischen auch überall
Für das Natriumhydroxid hatte ich statt der exakt benötigten Menge nur 85% angesetzt, damit also einen Laugenunterschuss von 15%.
Für den Anfang sollte es erst mal ohne Farbe und Duft sein - jedenfalls fast. Ich wusste aus meinen schlauen Buch, dass die Seife gelb werden würde. Weiße Seife ist aber schöner, weil man sie besser färben kann. Und laut meinem schlauen Buch sollte man Seifenleim mit Zinkoxid aufhellen können. Also beschloss ich, das auszuprobieren. Ich wollte etwa die Hälfte des Seifenleims in Formen füllen und dann das Zinkoxid zum Rest dazugeben und in die übrigen Formen verteilen.
Also legte ich meine »Laborausrüstung« an, bestehend aus Laborkittel, Handschuhen und Schutzbrille Ja, ich weiß, ein altes, langärmeliges Hemd hätte es auch getan, aber »König des Labors« ist doch viel cooler … und begann mit dem Abwiegen der Ingredienzen. Jetzt gab es kein Zurück mehr … Von einem Schnäpschen zur Beruhigung meiner Nerven riet mein Verstand mir aus irgendeinem Grund ab.
Kokosfett und Palmfett schmolzen im Topf. Spannend! Gut, das kennt man ja jetzt vom Kochen.

Die Öle standen bereit:

Die Lauge wartete darauf angerührt zu werden. Ich nahm den Becher mit dem Natriumhydroxid mit zitternden Händen … - Jaaa, ok, das ist jetzt übertrieben. Ich habe das NaOH in mehreren kleinen Portiönchen in das abgewogene destillierte Wasser gegeben und umgerührt. Das das Kännchen in der Spüle im kalten Wasser stand und die Portionen eher homöopatisch dosiert waren, wurde die Lauge weder richtig heiß, noch entwickelten sich beißende Dämpfe. Dafür, dass ich mir vorher so einen Kopf darum gemacht hatte, war das schon fast enttäuschend unspektakulär.
An dieser Stelle könnte ein wunderschönes Foto meines Laugenkännches sein - wenn, ja wenn, ich dran gedacht hätte, eins zu machen. Grummel
Dann ging die Warterei los. Ich hatte die Fette auf der niedrigsten Stufe geschmolzen, zeitweise sogar auf der Warmhaltestufe, aber die hatten trotzdem fast 50°C und sollten auf ca. 35°C abkühlen … Wart … wart … Fette umrühr … wart … wart … Lauge umrühr … und wieder von vorne … dumdidum …
Nach einer gefühlten Ewigkeit - Notiz an mich: ein Bratenthermometer ist nicht die beste Lösung, die Temperatur der Fette zu ermittlen - waren die Fette endlich soweit abgekühlt, dass ich die Öle dazugeben konnte. Kurz umrühren und schon durfte die Lauge rein. Die wird durch ein Sieb dazugegeben und sammelt sich faszinierenderweise unter dem Öl. Logisch! Öl schwimmt auf Wasser, also auch auf der Lauge. Hätte man drauf kommen können. Ts …
Nun wurde der Pürierstab angesetzt um die zwei Schichten zu einer homogenen Masse namens »Seifenleim« zu vermischen. Also rühren bis »Vanillepudding« im Topf ist. Das kenne ich! Den habe ich schon oft genug gekocht. Das ging auch erstaunlich gut und ich konnte die erste Hälfte des »Puddings« in die bereitgestellten Förmchen geben. Notiz an mich: ein Saucenlöffel ist zum Einfüllen in die Förmchen suboptimal.
Dann gab ich wie geplant das Zinkoxid zum Rest im Topf. Nochmal kräftig umgerührt und den Rest in die restlichen Förmchen.
Ein Tray mit vier Förmchen wanderte gar noch in den Backofen, um diese sogenannte »Gelphase« anzuschubsen, von der ich gelesen hatte. Nach einer Weile setzte sich aber etwas Öl oben auf der hoffentlich im Entstehen begriffenen Seife ab und das Aussehen des Inhalts unter der dünnen Ölschicht veranlasste meinen Gatten zu der Frage, ob ich nicht Grießbrei kochen könne. Toll! Das wollte ich hören.
Ich nahm die Form vorsichtshalber lieber wieder aus dem Ofen, stellte sie zu den anderen aufs Tablett und verfrachtete das Ganze zum weiteren Verseifungsprozess in den Keller. Dort konnten die Formen unbehelligt und vor Unfällen geschützt rumstehen und vor sich hin verseifen. Nach 24 Stunden sollte man die Seifenstücke ausformen können. Also wieder warten … Seufz
Tatsächlich konnte ich nach 24 Stunden die ersten Seifen ausformen. Sogar die Ölschicht war wieder vollständig in die Seife eingezogen. Freu! Einige wollten aber partout die schützende Form noch nicht verlassen. Dann eben nicht! Früher oder später kriege ich Euch!

Einen Teil hatte ich mit Zinkoxid etwas aufgehellt, richtig? Nur welchen? Ein dezenter Ansatz von Farbunterschied war nur bei sehr gutem Licht und nur mit seeeehr viel gutem Willen zu erkennen. Nein, Brille putzen half auch nichts. Das war also schon mal nix; entweder nächstes Mal höher dosieren oder Alternativen für richtig weiße Seife finden. Trotzdem machte sich das hübsche Gelb ganz gut, fand ich.
Die vielleicht oder zumindest hoffentlich gegelt habenden Seifen waren auch schon bereit für die Welt und ließen sich ausformen. Und zu meiner großen Freude entfachten sie bei meinen Männern auch keine Lust mehr auf Grießbrei. Uff

Hier ist tatsächlich ein Farbunterschied zu sehen. Die vier sind etwas dunkler als die anderen. Ich definiere: sie haben gegelt. Basta!
Die letzten drei waren noch mehrere Tage unwillig, aber irgendwann habe ich auch die aus den Formen bekommen. Dann hieß es zur Abwechslung - öfter mal was neues - warten … Buäh …
Kaltverseift soll eine Seife mindestens sechs Wochen reifen, bis man sie endlich benutzen darf, damit sie schön mild ist. Nach etwa einer Woche habe ich aber zumindest schon mal gewagt, sie einzupacken.

Meine Seifchen haben mich für die Wartezeit entschädigt. Es sind wirklich tolle Seifen geworden. Sie schäumen schön und waschen sich toll. Das Rezept wird nicht ohne Grund als anfängertauglich empfohlen.
Seifenpremiere erfolgreich absoviert! Yeah!!!