»White Cloud« oder die verflixte siebente Seife
Weil meine erste Eigenkreation relativ gelb ist, wollte ich mir ein neues Rezept zusammenschustern, um eine möglichst weiße Seife zu erhalten, ohne sie aufhellen zu müssen.
Warum? Weiße Seife sieht auch toll aus und weißer Grundleim ermöglicht eine gezieltere Farbgebung. Denn gelber Grundleim verändert Farben, bspw. Blau und Rot ins Grüne bzw. Orangfarbene. Und so sehr ich Grün und Orange liebe, möchte ich doch gerne mit allen Farben spielen können. Davon, dass man bei mir noch nicht annähernd von gezielter Farbgebung sprechen kann, wollen wir mal gar nicht reden …
Außerdem hatte ich zwei Seifen in Planung, für die ich unbedingt eine weiße Grundfarbe brauchte.
Für meine zweite Eigenkreation waren also helle Fette und Öle gefragt. Babassuöl und Sheabutter passten ja schon mal. Rizinusöl sollte als Schaumverstärker auch wieder rein. Aber welche Öle sonst noch dazu? Ich zog also wieder mein schlaues Buch zu Rate und suchte nach Ölen, die weiße Seifen ergeben.
Dieses erläuterte mir, dass sich Olivenöl gut durch Sonnenblumenöl oder Distelöl, h. o. ersetzen lässt - sofern man jeweils die h. o. (»high oleic«) Variante nimmt, die deutlich weniger ranzanfällig ist, im Handel auch als »Bratöle« zu erwerben. Sonnenblumen-Bratöl habe ich praktischerweise sowieso immer da. Damit war das entschieden.
Dazu gefielen mir noch Macadamianussöl und zum Härten Cupuaçubutter. Beide Fette ergaben als Einölseifen reinweiße Seifen. Damit hatte ich sechs Fette für meine »White Cloud«. Auch diese Zusammenstellung bestand die Überprüfung der Härte und Ranzanfälligkeit. Mein zweites eigenes Rezept war fertig! … und ich stolz wie Oskar
Nun musste ich nur noch die gewünschte Menge festlegen, die benötigte NaOH-Menge berechnen und alles zusammenschreiben. Blieb noch die Entscheidung, welchen Duft ich verwenden wollte. Und die war wie üblich sehr schwer. Bei der immensen Auswahl an Seifendüften und meiner ausgeprägten Entscheidungsfreude keine Überraschung.
Dann kam ich auf die Idee, ich könnte den Seifenleim ja dritteln und dann gleich noch zwei Farben und Düfte testen. Ein Drittel würde ja völlig reichen, um zu überprüfen, ob die Seife richtig weiß wird …
Und so war der Plan gefasst: einmal weiße Seife ohne Zusätze, einmal grüne Seife mit Maiglöckchenduft und einmal fliederfarbene Seife mit Fliederduft. Zwei Düfte, die ich die ganze Zeit schon testen wollte …
- Fette: Babassuöl, Sheabutter, Macadamianussöl, Sonnenblumenöl h. o., Rizinusöl, Cupuaçubutter
- 15% LU
- Farbe: »natur«, Mica in »Apple Green« und »Purple«
- Duft: —, PÖ »Maiglöckchen«, PÖ »Flieder«
Die Umsetzung
Also stellte ich schön alles bereit, wog die Fette, das Natriumhydoxid und die Düfte ab - Maiglöckchen und Flieder duften beide wirklich toll, Flieder vor allem sehr intensiv. Dann begann ich mit der Herstellung des Seifenleims.
Diesen füllte ich in drei Kannen ein. Meine »Trichterkannen-Messbecher» mit dem langen Ausgießer waren nämlich inzwischen angekommen und konnten eingeweiht werden. In den Kannen gab ich dann noch die Farbe dazu und am Schluss den Duft. Lief alles prima.
Maiglöckchen und Flieder wollte ich, weil es zwei so verschiedene Düfte und so traumhafte Düfte sind, nicht zusammenmischen, aber jeweils mit dem weißen unbedufteten Leim zu mischen ging ja. Also fing ich an, den Seifenleim nach Gutdünken in die Formen zu füllen, einfarbig oder eben zweifarbig, grün/weiß oder flieder/weiß. Und die ganze Zeit hatte ich diesen herrlichen Fliederduft in der Nase. sabber

Die Kannen waren die Anschaffung definitiv wert. Das Einfüllen ging damit so viel besser. Bei einigen Formen versuchte ich noch mit einem Schaschlikstäbchen ein bisschen zu marmorieren. Als ich fertig war und mein Werk quietschvergnügt betrachtete - Maiglöckchen und Flieder … Endlich!!! - fiel mein Blick auf ein kleines Bechergläschen, das da noch so unschuldig rumstand und sich geschickt hinter dem Tablett mit den Formen versteckt hatte …
Der Fliederduft, auf den mich so gefreut hatte, wollte tatsächlich lieber wieder zurück in die Flasche … und ich mich am liebsten in den selber in den Ar… beißen!
Ich weiß nicht, ob eventuell dieser, von Seifensiedern so gefürchtete, ominöse Seifenkobold namens Klaus sich in meine Küche eingeschlichen und mir dazwischen gefunkt hatte. Vielleicht war es auch nur vorübergehende geistige Umnachtung meinerseits. Kann man von Fliederduft eigentlich high werden? Oder es lag daran, dass es meine siebte Seife war. Ich habe sie jetzt “Die verflixte siebente Seife” getauft.
Und so sieht das Ergebnis aus:

Natur unbeduftet und grün mit Maiglöckchenduft

Und Flieder mit imaginärem Fliederduft. Bitte beim Anblick des Fotos ein Fläschen Fliederduft öffnen und unter die Nase halten …

Die schöne Fliederseife … schnüff
Wobei, wenn ich mir das so recht überlege …
Ich muss ja dann quasi nochmal eine »richtige« Fliederseife machen, also eine, die auch wirklich nach Flieder duftet, gell? Das ist jetzt schon auch irgendwie echt Pech … grins