»Fröhliche Weihnachten«
In einem der Seifenforen, in denen ich mich zwischenzeitlich angemeldet hatte, sollte ein Seifen-Adventskalender erstellt werden. Wer wollte, konnte sich anmelden und sollte dann eine »Weihnachtsseife« sieden und zum ausgelosten Termin im Forum einstellen.
Die Idee gefiel mir, und nachdem ich eine Weile drum herum geschlichen war und hin und her überlegt hatte, meldete ich mich Schließlich doch an. Eine Idee für mein »Türchen« hatte ich auch schon. Aber da ich nicht genau sagen konnte, wie schnell ich meine Seife fertigbekommen würde, bat ich darum, mir einen eher späteren Termin zu geben. Es wurde der 21. Dezember. Perfekt!
Diesmal würde ich sogar Unterstützung haben: Eine Freundin hatte Interesse bekundet, sich das Seifesieden einmal anzusehen, weil ich immer so begeistert davon erzählte. Also verabredeten wir uns auf einen Seifelnachmittag.
Der Plan
Ich hatte im Internet vor einiger Zeit ein Video entdeckt, wie ein »Taiwan-Swirl» hergestellt wird - und war schockverliebt! Diese Seife in grün, weiß und violett sah einfach nur genial aus. Sabber!
Dieser Taiwan-Swirl würde sich in den klassischen Weihnachtsfarben, sprich dunkelgrün, dunkelrot und weiß/natur, sicher auch seeehr gut machen. An meinen Glitzer-Weihnachtssocken sahen diese Farben ja schließlich auch toll aus.
Da meine »White Cloud II« schon bei der irischen Flagge und der Herrenseife so schön mitgespielt hatte, entschied ich mich auch diesmal wieder für dieses Rezept.
Der Duft sollte möglichst weihnachtlich sein. Ein passendes PÖ hatte ich aber nicht vorrätig. Also durchforstete ich meine ätherischen Öle, ob ich eine passende Mischung zusammenstellen konnte. Mit dem Mischen von ÄÖs fehlte mir ja noch jedwede Erfahrung, aber ich hatte verschiedene Orangenöle und Zimtöle. Mit Orange-Zimt konnte ich eigentlich nicht viel falsch machen, dachte ich mir, und als weihnachtlicher Duft ging das in jedem Fall durch. Ich entschied mich für Blutorangenöl und Zimtblätteröl.
Das Rezept stand:
- Fette: Babassuöl, Macadamianussöl, Sheabutter, Sonnenblumenöl h. o., Rizinusöl, Cupuaçubutter
- 10% LU
- Farbe: »natur« Mica in dunkelgrün und dunkelrot
- Duft: ÄÖ »Blutorange« und ÄÖ »Zimtblätter«
Die Umsetzung
oder: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser …
Der Termin kam, und ich begann damit, schon einmal die erforderlichen Utensilien und Ingredienzen bereitzustellen, sodass wir gleich munter loslegen konnten. Topf, Messkannen, Formen, sonstiger Kleinkram, die Schutzausrüstung, dann die Fette, die ätherischen Öle und die Farben …
… Farben? … äh, jaaaa … Dunkelgrün und Dunkelrot sollten es ja sein, ne? …
Blöd nur, wenn man erst, wenn man anfangen will, feststellt, dass man Dunkelgrün und Dunkelrot zwar in diversen Online-Shops angeschmachtet hat, diese dadurch aber leider nicht in den eigenen Bestand wandern … Was nun? …
Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder farbtechnisch mal eben umzudisponieren oder zu versuchen, die gewünschten Farben irgendwie aus den vorhandenen Farben zu mischen. Ich entschied mich zähneknirschend für letzeres, da ich dafür meinen ursprünglichen Plan, gemeinsam mit dem Abwiegen der Fette zu beginnen über Bord werfen und mit dem Abwiegen der Öle schon vorab anfangen musste. Ich musste die Micas in einem Teil der abgewogenen Öle anrühren …
Also pickte ich mir die vielversprechendsten Farben heraus und begann zu panschen - äh mischen. Zu meinem eigenen Erstaunen hat das sogar tatsächlich geklappt. Dunkelgrün und Dunkelrot aus jeweils drei Farben gemischt:

Uff! Doch keine neuen Farben aussuchen! Noch mal Glück gehabt!
Als meine Freundin dann da war, konnten wir gleich mit dem Schmelzen der Fette beginnen. Während diese sich im Topf »verflüssigten«, mischten wir noch die ätherischen Öle, bis uns die Orange-Zimt-Mischung gefiel.
Das restliche Prozedere, Lauge herstellen, Öle in die geschmolzenen Fette rühren, Lauge hinzufügen und pürieren/rühren lief erfreulicherweise alles wie am Schnürchen. Der fertige Seifenleim ließ sich wie geplant sehr schön dritteln. Dann konnten wird die beiden Farbmischungen unterrühren und den Leim in den Messkannen beduften.
Nun begann der spannende Teil: Den Leim in die drei Kammern der Form füllen, die Trenner entfernen und einen Taiwan-Swirl fabrizieren … Wird er gelingen? …
Das Zimtöl ließ den Seifenleim etwas schneller andicken, als ich wollte, aber der ließ sich trotzdem noch gut »swirlen«. Frisch eingefüllt würde ich sagen, der erste Versuch ist nocht nicht perfekt, aber er kann sich definitiv sehen lassen:

Das Zimtöl verfärbte den eigentlich weißen Seifenleim etwas ins naturfarbene, aber das war nicht ganz unerwartet. Zimt als Gewürz wärmt, das wusste ich. Und das tat er auch in der Seife. Sie begann abgedeckt relativ schnell zu schwitzen, sodass ich vorsichtshalber den Decke abnahm. Dies wiederum resultierte leider in jeder Menge Sodaasche. Mist!
Außerdem verfärbte das Zimtöl mein wunderschönes, mühselig gemischtes Dunkelrot zunehmend in … zimtiges braun … Ich hatte es befürchtet!
Gut, aber braun und grün sind ja letztlich die Farben des - ungeschmückten - Weihnachtsbaumes. Von daher war es zumindest nicht unpassend.
Das Ergebnis
Ausgeformt sah die Sodaasche-Oberseite dann so aus:

Die Unterseite sah auch sehr interessant aus und völlig anders als erwartet:

Diesmal war das Ausformen aus der Silikonblockform geglückt. Die Seife hatte tatsächlich noch Ecken! YES!
Der Block durfte noch ein bisschen weiter trocknen, dann begann ich mit dem Schneiden. Diesmal konnte ich nicht einfach nur Scheiben abschneiden, wie bisher, sondern musste Blöcke schneiden:

Dann konnte ich die Blöcke quer in die Seifenstücke schneiden:

Es wurden nur acht richtige Seifenstücke - die beiden mittleren Reihen im Bild - da ich die Sodaasche wegschneiden musste und damit auch unten eine dünne Platte übrigblieb.
Der Restleim, den ich in die Pferde-Form gefüllt hatte, ließ sich sehr lange bitten, bis er wiederwillig aus der Form löste. Leider ging es auch nicht so gut und die Pferde haben einige »Verletzungen« davongetragen, aber grundsätzlich sehen die Seifen schön aus. Das Ausformen hier ist noch ausbaufähig …

Und hier ist nun:
Türchen Nr.21 - »Fröhliche Weihnachten«
Für das 4D-Erlebnis ätherisches Blutorangenöl 1:1 mit ätherischem Zimtblätteröl mischen, ggf. ein Sabberlätzchen bereitlegen und schwelgen …

Den Duft finde ich nach wie vor zum Niederknien. Das Rot ist leider nicht geblieben und auch nicht wiedergekommen. Das war wegen dem Zimtblätteröl nicht ganz unerwartet. Zimt wärmt und beschleunigt, wie ich vermutet hatte, auch das Andicken. Aber egal, dann sieht sie halt nicht aus, wie meine Glitzer-Weihnachtssocken, sondern hat was von einem Weihnachtsbaum. Ich bin trotzdem ablosut happy mit dem Ergebnis. Jawollja!