Ghassoul-Seife
… oder Maurer müsste man sein.
Mein angehendes Pubertier begann allmählich Hautunreinheiten zu entwickeln. Ich erinnerte mich, dass es »zu meiner Zeit« von meinem Lieblings-Kosmetikproduzenten eine Pflegeserie für unreine Haut mit Tonerde als Zusatz gegeben hatte.
Tonerde konnte man auch in Seife packen, und ich hatte rein zufällig welche da. Ist ja nicht so, dass ich experimentierfreudig wäre … tüdelü … Als Wirkstoff würde ich lediglich eine höhere Dosierung benötigen als nur zur Farbgebung.
Aber erst einmal brauchte ich ein neues Rezept. Ich zog also wie üblich mein schlaues Buch zurate und suchte nach passenden Ölen. Nach einiger Recherche stellte ich erfreut fest, dass ich geeignete Öle im Bestand hatte.
Blieb noch die Frage, wie viel Ghassoul ich eigentlich verwenden und wie genau ich es in die Seife bringen sollte …
Schlussendlich ergab sich für mein drittes eigenes Rezept folgende Zusammensetzung:
- Fette: Babassuöl, Sheabutter, Distelöl, h. o., Traubenkernöl, Sojaöl, Rizinusöl, Cupuaçubutter
- 10% LU
- Farbe: keine, die ergibt sich durch die Gelphase mit 10% Ghassoul
- Duft: —
- Sonstiges: Tocopherol
Die Ghassoul (= Rhassoul = Lavaerde (von lat. »lavare« -> waschen) = Wascherde, alles ein- und dasselbe) sollte vorab mit destilliertem Wasser verrührt werden und eine Weile stehen, damit sie das Wasser auch aufnehmen konnte.
Das gestaltete sich schwieriger als gedacht, da diese Erden eine Unmenge an Wasser speichern können. Und 10% der GFM waren wiederum eine ganze Menge Tonerde … Ich rührte also nach und nach immer mehr Wasser dazu, aber es blieb »Matschpampe«. Da ich aber auch nicht zu viel Wasser in der Seife haben wollte, weil sie dann weich bleiben und sich schnell wegwaschen würde, beließ ich es dann irgendwann bei der »Matschpampe«-Konsistenz:

Dann ging es an den Topf, den Seifenleim herstellen. Feste Fette und Öle abwiegen …


… und zum Pudding-Stadium pürieren.
Anschließend die »Matschpampe« dazugeben und … äh … ja … irgendwie untergerührt bekommen. Die Optik hatte ja was von Milchsuppe …

Pürierstab und Spatel würden sich hier vergeblich bemühen, also startete ich einen Versuch mit dem Schneebesen. Bei regelmäßiger Anwendung kann man das ohne Probleme als Fitnesstraining einplanen …
Angesichts der relativ festen Konsistenz des Ghassoul-Wasser-Gemischs hatte ich mich mental darauf eingestellt, zügig einformen zu müssen, weil der Leim schnell anziehen würde, und vorsorglich eine Blockform ausgewählt. Die Richtung war auch richtig, das Ausmaß allerdings nicht annähernd. Eingießen war Wunschdenken. Eine Maurerkelle samt korrespondierender Fähigkeiten hätte mir hier gute Dienste geleistet.
Allerdings erlaubte mir das überraschend, ganz spontan einen Ansatz von »Topping« auszuprobieren. Es bestehen tatsächlich Chancen, dass ich das irgendwann noch lerne
Nach dem Einspachteln in die Formen ging es noch eine Zeit lang in den Ofen um die Gelphase sicherzustellen. Das klappte problemlos.

Sie blieb noch lange sehr weich, ließ sich aber gut ausformen, schneiden und stempeln.

Unterm Strich war das Ergebnis zufriedenstellend. Es war eine schöne Gesichtsseife, die, regelmäßige Anwendung vorausgesetzt, das Hautbild verbesserte - auch meines.

Für eine Neuauflage würde ich mir wohl überlegen müssen, wie ich die Tonerde besser in die Seife bekommen oder wieviel Wasser so eine Seife letztlich verträgt …