Meine erste, ganz eigene Haarseife
Der erste Versuch, eine Heißverseifung zu machen, war geglückt. Damit konnte ich mich endlich an mein erstes Haarseifenrezept wagen.
Eigentlich mag ich Haarseife, kann aber nicht jede benutzen, weil mein feines verkupfertes Feenhaar gerne »Prinzessin auf der Erbse« spielt und seine ganz spezifischen Ansprüche stellt … Nerv!
Also nahm ich wieder meine schlaues Buch zur Hand und recherchierte, welche Zusammensetzung denn für mein Prinzessinnenhaar geeignet wäre.
Ich wollte Schaum! Damit war Babassuöl schon mal Pflicht. Für Glanz und gute Kämmbarkeit sollte Rizinusöl sorgen, also davon auch eine ordentliche Portion. Noch ein bisschen Palmfett für die Konsistenz und noch ein paar Öle zur Pflege … Traubenkernöl hatte ich da, das als Schnellranzer aber nur in begrenzter Menge eingesetzt werden kann. Also musste ich die fehlenden Prozentchen mit einer Mischung aus Olivenöl, Avocadoöl und Sheabutter ergänzen. Als Überfettungsöl wurde Brokkolisamenöl empfohlen. Es gibt wirklich unglaublich viele Öle, von denen ich noch nie was gehört habe … staun…
Manchmal sind Öle aber nicht genug. Wollte ich eine Chance haben, trotz unseres sehr harten Wassers eventuell auf die saure Rinse nach dem Waschen verzichten zu können, musste unbedingt noch Zitronensäure als Wasserenthärter rein. Außerdem kann man noch Seide mit reinpacken.
Ich hatte mich ja schon früher gefragt, was Seidenproteine im Shampoo eigentlich bewirken sollen. Recherche in den Weiten des Internets lieferte Folgendes:
Seidenproteine lagern sich in dünnen Schichten am Keratin des Haares an. Dadurch wird es geglättet und vor dem Austrocknen geschützt. Außerdem reflektieren sie das Licht und sorgen so für seidenglänzendes Haar. Ach ja, das Haar ist seidig-weich, griffig, flexibel und verklebt auch nicht … Nicht dass es das je getan hätte - ist ja schließlich keine Klebreis - aber wenn es sich nicht beim kleinsten Luftzug verknotet, wäre mir auch schon geholfen. Na, wir werden sehen
Wow! So viel hatte ich noch nie in einer Seife drin. Sieben Fette, plus ein Überfettungsöl, Zitronensäure und Seide und noch ein selbstgemixter Duft, der im Buch vorgeschlagen wurde. Das war neuer Rekord. Ach ja, die Laugenflüssigkeit fehlte noch. Die bestand dieses Mal nicht aus destilliertem Wasser, sondern aus mit selbigem gekochtem, sehr, sehr starkem Brennnesseltee. Was für ein Deutsch!
Hier noch mal im Überblick:
- Fette: Rizinusöl, Babassuöl, Palmfett, Traubenkernöl, Olivenöl, Avocadoöl, Sheabutter
- ÜF: Brokkolisamenöl
- 9% LU + 1% ÜF
- LF: starker Brennnesseltee
- Farbe: —
- Duft: ÄÖ-Mischung aus Rosmarinöl, Lavendelöl, Patchouli
- Sonstiges: Zitronensäure, Seide, Naturjoghurt
Spannend war ja noch die Frage, wie genau ich Seide UND Zitronensäure in die Laugenflüssigkeit bekommen sollte. Beides zusammen ging nicht, aber was zuerst? Zitronensäure reagiert etwas intensiver mit dem NaOH und um die Seide aufzulösen muss ich alles auf einmal reinkippen …
Ich habe dann erst die Zitronensäure im kalten Tee aufgelöst und die dafür benötigte Menge NaOH zugegeben. Das ging ganz gut. Als sich in meinem Laugenkännchen nichts mehr tat, gab ich die Seide dazu und anschließend - nachdem ich vor die Haustür gegangen war - das NaOH für die Verseifung der Öle. Ich frag mich ja, wie lange es noch dauert, bis mich meine Nachbarn darauf ansprechen, warum ich mit Laborkittel, Handschuhen und Schutzbrille vor dem Haus stehe und in einem dezent dampfenden Kännchen rühre …
Das Ergebnis, das erfreulicherweise nicht mit der Geruchsbelästigung von Kaffee als Laugenflüssigkeit konkurrieren will, durfte dann auch gleich zu den warmen Ölen. Dann hieß es wieder pürieren »bis Vanillepudding« und danach warten, gelegentlich nach dem Rechten sehen und umrühren, bis die Seife fertig zum Überfetten war.
Diesmal war ich schlauer und habe Joghurt und Überfettungsöl zugegeben und wirklich gewartet, bis beides warm war. Hat auch tatsächlich besser funktioniert, die Seife wieder »flüssig« zu rühren. Dennoch ist noch viel Übung angesagt, bis ich eine Konsistenz erreiche, mit der sich die Seife richtig schön einfüllen lässt.
Sie ist nicht wirklich spektakulär, aber sie sieht ganz passabel aus, finde ich:

Am nächsten Tag konnte ich sie ausformen und schneiden. Da ich diesmal keine Farbe verwendet hatte, sah sie quasi genauso aus wie die »Gorgonzola«, nur ohne den »Blauschimmel« …

Nun musste sie noch mindestens zwei Wochen reifen. Sie hatte sogar fast vier Wochen dafür. Dann war meine in Gebrauch befindliche, käuflich erworbene Haarseife aufgebraucht und ich konnt sie endlich testen.
- Lassen sich meine Haare damit einigermaßen gut kämmen?
- Ja! Zwar nicht ganz so gut, wie nach einer Spülung, aber dennoch zufriedenstellend.
- Gibt es wieder Kalkseife, sodass ich eine saure Rinse brauche?
- Im Kamm zeigt sich nur noch mininal weißer Belag. Wenn ich beim nächsten Mal die Zitronensäuremenge erhöhe, es geht also tatsächlich ohne saure Rinse! Damit ist meine Haarseife sogar endlich reisetauglich. Freu!
- Kann ich den Zeitabstand bis ich meine Haare wieder waschen muss, verlängern?
- Mit Shampoo muss ich sie alle zwei Tage waschen, mit Haarseife alle drei, manchmal vier Tage - klappt mit meiner auch! Yes!
- Glänzen die Haare schön seidig wie Seide und Rizinusöl das versprechen?
- Hmmm … mal gucken …

… kann man, glaube ich, durchgehen lassen.
Nach nunmehr drei Wäschen ohne saure Rinse kann ich definiv sagen, dass ich seeehr zufrieden bin. Die Haare werden tatsächlich seidig weich, fluffig, glänzen schön, lassen sich kämmen - auch wenn sie Wind noch immer nicht mögen - und ich muss sie nicht mehr ganz so oft waschen.
Statt alle zwei nur noch alle drei Tage klingt zwar erst mal nicht nach viel, aber wenn ich sie in einem Monat, sprich 30 Tagen, nur noch 10-mal statt 15-mal waschen muss, wird doch ein Unterschied deutlich.
Jetzt habe ich eigentlich nur noch ein Problem: wie werde ich diese lästige, nervtötende elektrostatische Aufladung beim Kämmen los … Argh!