Gorgonzola …

… oder der erste Versuch eine HP (Hot Process) Seife zu sieden …

Irgendwann muss man ja schließlich mal mit der Heißverseifung anfangen. Den eigens dafür angeschafften Crock-Pot hatte ich vorher schon mit Wasser auf seine Kochtemperaturen überprüft: auf Stufe »slow« liegt die Temperatur bei 60-65°C; bei Stufe »high« liegt sie bei etwa 90-95°C. Passt also schon mal.

Der Plan

Für den ersten Versuch wollte ich keine Luxusseife sieden, sondern eine, bei der ich im Fall des Misslingens nicht noch teuren Ölen hinterhertrauern müsste. Also habe ich ein einfaches 25er Rezept ausgewählt, ein Überfettungsöl dazu gesucht und nach erfolgter Berechnung der Mengen konnte es auch schon losgehen.

Geplant nein, ich habe das Pläneschmieden noch nicht aufgegeben war eine blaue Seife mit einem frischen Duft.

Die Realisation

Am Anfang sah alles ganz gut aus: feste Fette schmelzen, flüssige Öle dazugeben, Lauge durch ein Sieb dazugeben - alles wie gehabt, nur die Temperatur war eben höher. Nach dem Pürieren hatte ich schönen »Pudding« im Crock-Pot, der in Seelenruhe im Topf dahinsimmern durfte.

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Als ich nach einer Weile wieder nach dem Rechten sah, erblickte ich einen merkwürdigen Schaumring im Topf. Etwas irritiert griff ich zum Spatel und rührte den Schaum wieder in den Seifenleim. Dann durfte der Leim weiterköcheln.

Als die Seife für mein Empfinden soweit »fertig« war, gab ich das Überfettungsöl und den Joghurt in den Topf. Leider war ich beim Unterrühren des Überfettungsöls zu ungeduldig, sodass der Seifenleim nicht wollte wie er sollte und wieder flüssig wurde, sondern stattdessen zu einer seltsamen gummiartigen Masse mutierte »Der Blob« lässt grüßen …. Erfreulicherweise blieb die Masse aber freiwillig im Topf.

Schließlich habe ich diese komische Gummimasse irgendwie in die Blockform transferiert. Die schwere, seifenverschmierte Keramikschale des Crock-Pots ist zum Gießen nicht so wirklich gut geeignet und mit dem Silikonspatel kam ich mir vor wie Frankenstein beim Umfüllen von Gehirnmasse.

An die Farbe hatte ich in dem Moment gar nicht mehr gedacht, also habe ich kurzentschlossen in der Form ein bisschen blaues Mica drübergestreut und irgendwie untergerührt - vielleicht würden ja wenigstens ein paar blaue Schlieren entstehen, die man mit etwas gutem Willen als Marmorierung betieln konnte.

Da der Seifenleim ja schon einigermaßen stabil war, unternahm ich sogar noch den waghalsigen Versuch mit dem Löffel einen Anflug von »Topping« zu fabrizieren. Das Ergebnis ist nicht bemerkenswert, aber zumindest bemerkbar.

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Das Ausformen

Unglaublich! Es gibt tatsächlich Seifen, die sogar ich schon nach 12 Stunden ausformen kann. Man könnte mutmaßen, dass die Form diese »Schönheit« nicht bei sich behalten wollte. Es ist ja kein Geheimnis, dass HP-Seifen im Allgemeinen nicht so fein und glatt werden, wie CP-Seifen, aber diese Oberfläche sah schon etwas enttäuschend aus. Hier ist noch viiiieeeel Luft nach oben.

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Der Anschnitt ergab ein besseres Bild. Die Konsistenz der Seife war schön homogen und glatt, ohne Löcher oder ähnliches. Die Optik war wiederum weniger berauschend. Von blauen Marmorierungen keine Spur. Es waren eher blaue Flecken.

Mein Junior meinte im Vorbeigehen: »Die sieht aus wie Schimmelkäse.« Er weiß jetzt schon, was Frauen (hören) wollen …
Darauf mein Göga: »Jaaa, wie Gorgonzola!« Womit klar wäre, wo die Kleinausgabe das Talent für Komplimente her hat.

Egal! Ihren - zugegebenermaßen nicht ganz unberechtigten - Spitznamen hat sie weg, aber Seife ist es trotzdem geworden und ich habe sie auch schon angewaschen! Ich mag sie. Für den ersten Versuch kann ich also letztlich ganz zufrieden sein.

Ach ja: Beduftet habe ich sie natürlich nicht mit Käse, sondern mit dem PÖ »Nautic«.

Fehlt noch das Foto vom Endergebnis. Einmal Gorgonzola zum Waschen? Biddeschööön:

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