Geometrische Seife »Rhombus«
Angesichts der aktuell nicht ganz einfachen Situation für Lehrende, sollten die beiden Klassenleiter jeweils eine Kleinigkeit zum Schuljahresabschluss bekommen. Warum also nicht eine Seife dazupacken?
Wenn schon die erste Klassenleitung eine thematisch passende Seife bekommen soll, muss für die zweite natürlich dasselbe gelten. Die zweite Klassenleitung ist Mathelehrer. Damit bietet sich etwas Geometrisches an, wie z. B. die Rautenseife, die man in einschlägigen Foren und anderen Quellen im Internet findet.
Ich mochte dieses »3D-Würfelbild« schon, als ich selber noch zur Schule ging. Und wenn andere das können, und ich nicht ganz auf den Kopf gefallen bin, müsste sich das doch irgendwie bewerkstelligen lassen … Gut, auch hier war einfach die Gelegenheit günstig, meine Fähigkeiten bzgl. des Herstellens von schöner Seife auf ein neues Niveau zu heben. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt oder so …
Der Plan
Rhombenseife in zwei Blautönen und weiß mit einem angenehmen Herrenduft sollte es werden. Die Blautöne waren schnell gefunden.
Als Seifenrezept diente auch hier meine Sheabassu II, diesmal mit raffiniertem Oliven- und Avocadoöl. Und ein toller Herrenduft war auch schnell gefunden. »Clear Sign« ist traumhaft und riecht laut Aussage meines werten Gatten »blau«. Ob er auch die Farben von Buntstiften am Geschmack erkennen kann, habe ich bisher nicht eruiert.
Bei meiner Herrenduft-Testseife hatte das PÖ zwar etwas schneller angedickt als die anderen beiden, aber der Seifenleim war noch sehr gut handhabbar und das Hellblau perfekt - sogar das Verswirlen mit dem weißen Seifenleim war problemlos möglich - und wie schön das ging:

Leider ist dieser wunderschöne »Rosenswirl« ein Zufallstreffer und damit nicht reproduzierbar, denn ich habe keinen Plan, wie ich den fabriziert habe. Mit Vorsatz hätte das nie und nimmer geklappt!
Einfarbigen Seifenleim in den Dividor zu gießen sollte, wenn sowas möglich ist, doch erst recht kein Problem darstellen.
Die Ingredienzen standen damit also fest.
- Fette: Olivenöl, Babassuöl, Sheabutter, Avocadoöl, Rizinusöl, Cupuaçubutter
- 10% LU
- LF: 30% (statt der üblichen 33%, die ich bisher verwendet hatte)
- Farbe: »natur«, Mica in »Pearl Ocean Blue« und »Pearl Luster Blue«
- Duft: PÖ »Clear Sign«
Eine letzte Entscheidung stand noch aus:
-
den Dividor komplett mit einer Farbe füllen oder
-
den Dividor halbieren und beide Blautöne in einem Gang sieden?
Für Möglichkeit eins sprach, dass ich die beiden Blautöne jeweils nur einmal zu sieden brauchte und in jedem Fall noch Reserve haben würde, falls ich mich beim Schneiden der Rauten verschneiden oder beim Fertigstellen der Seife irgendetwas schief gehen sollte. Wenn alles gut ging, würde ich eben mit dem »Rest« einen zweiten Versuch starten.
Für Möglichkeit zwei sprach, dass ich beide Farben in einem Durchgang sieden konnte und schon im zweiten Durchgang die Seife würde fertigstellen können. Falls hier allerdings etwas schief ginge, müsste ich dann komplett von vorne anfangen und erst einmal die beiden Blautöne neu sieden.
And the winner is, oder besser was: Tadaa! … Möglichkeit eins!
Die Realisation - Rhombus, Runde 1
Da Seifen wie meine Sheabassu mit relativ hohem Olivenölanteil sehr lange brauchen, um auszuhärten, hatte ich geplant, testweise die Laugenflüssigkeit von den üblichen 33% auf 30% reduzieren. Damit würde sie voraussichtich etwas schneller aushärten.
Damit, so hoffte ich, würde ich sie früher ausformen und schneiden können, früher die zweite Farbe herstellen und schneiden können und letztlich die eigentliche Seife früher herstellen können. Spontan beschloss ich allerdings, den Wasseranteil noch weiter auf 28% zu reduzieren.
Den Seifenleim herzustellen war wie schon bei der »Rice Flower» vorher kein Problem. Diesmal konnte ich sogar gleich im Topf färben und musste zum Eingießen nicht erst in Kannen umfüllen. Als erstes war Mica in »Pearl Ocean Blue« dran.
Der Dividor war vorbereitet und stand bereit. Also zügig das PÖ untergerührt und flott in den Dividor gegossen. Doch so schnell ich auch war, verwandelte sich der wunderschön fließende Seifenleim noch während des Eingießens in »Spachtelmasse« … Autsch!
Ich griff kurzentschlossen zum Teigschaber, der inzwischen zu meiner Seifel-Ausstattung gehörte, und strich damit die Oberfläche glatt - das funktionierte zum Glück noch.
Ok … das PÖ war eindeutig ein Blitzbeton-Kandidat. Aber wieso war das diesmal so anders »gelaufen« im Vergleich zum ersten Mal? Grübel …
Ich deckte den Dividor mit Folie und dem Deckel, den ich mangels Trennern nur quer drauflegen konnte, ab und verfrachtete ihn in den Keller auf mein Seifelregal. Als ich ein oder zwei Stunden später nachsah, war der Dividor gut warm und die Seife wurde dunkler als die Restchen im Topf - gelte sie jetzt am Ende? Macht Seifenleim überhaupt je, was man will/erwartet? Bei mir ja eher selten!
Zumindest was das Verseifen und Aushärten anging, lief es wie erwartet. Ich konnte sie zwei Tage später ausformen und nach einigen Stunden Trockenzeit schneiden.
Damit die Rauten auch wirklich Rauten wurden - ich wollte mich hier nicht auf mein eigentlich gutes Augenmaß verlassen - hatte ich mir ein tolles Förmchen zum Anzeichnen besorgt:

Das Anzeichnen der Schneidmarken ging auch wirklich sehr gut. Lediglich im oberen Drittel gab es eine Stelle, an der es irgendwie windschief wurde. Vielleicht brauche ich auch eine Brille?

Mit meinem neuen und dementsprechend scharfen Messer - ich habe es beim Schneiden natürlich getestet hüstel - ließ sie sich hervorragend schneiden. Die fertig geschnittene Seife sah schon mal sehr vielversprechend aus:

Und ja, es ist beide Male der gleiche Seifenblock. Keines der Fotos trifft den exakten Farbton; der liegt irgendwo »dazwischen«. Leider lässt sich diese Farbe nur sehr widerwillig fotografieren.
Das Holztablett durfte dann zugedeckt zum weiteren Trocknen der Seife wieder in den Keller. Der Anfang war gemacht.