»Olive Oyl«

Nein, mit Popeye hat das nichts zu tun, und Spinat kam auch keiner rein - auch wenn ich grüne Seife geplant hatte. Es war einfach der erste zu Olivenöl passende Name, der mir eingefallen ist und gefallen hat.

Ich, oder besser gesagt meine Haut, ist Fan von Olivenöl. Was liegt da näher, als eine »Olivenölseife« zu sieden? Genau! Nichts! Also überlegte ich mir, wie ich meine Olivenölseife genau machen wollte.

Der Plan

Olivenöl war klar, VIEL Olivenöl! Ein Schaumfett wollte ich auch drin haben und zusätzlich wieder Rizinusöl. Außerdem war das eine äußerst passende Gelegenheit, die »Olivenbutter« auszuprobieren, die mich interessierte.

Aber welches Schaumfett? Ich liebe ja mein Babassuöl, aber Palmkernöl sollte angeblich noch etwas milder sein. Also welches nehmen? … Nun ja, da ich ja hinreichend Olivenbutter hatte, warum nicht einfach beides? Zwei exakt gleiche Seifen, nur mit unterschiedlichen Schaumfetten? Das klang gut!

So hätte ich dann sogar einen direkten Vergleich, ob sich die verschiedenen Schaumfette für meine Haut bemerkbar machen würden. Und wenn man das Ganze dann auf die Spitze treibt - oder völlig bekloppt ist? - kann man beide Seifen je einmal als CP und dann noch mal als HP sieden. Grüßt doch bitte die Langeweile von mir. Hab sie lange nicht gesehen …

Das grundlegende Rezept stand damit schon einmal. Härte und Ranzanfälligkeit lagen laut meiner Berechnungen im grünen Bereich, also mussten nur noch die spezifischen Details für den ersten Versuch festgelegt werden: LU, Farbe, Duft und eventuelle Zusätze.

Für meine geplante Mandel-Peeling-Seife hatte ich Mandelmilch als Laugenflüssigkeit auserkoren. Nun suchte ich etwas Adäquates für meine Olivenölseife. Ich wollte etwas anderes, interessantes verwenden. Meine Wahl fiel auf Hafermilch.

Olivenölseife muss für mein Hirn grün sein! Warum auch immer. Aber wie würde ich einen schönen olivgrünen Farbton hinbekommen? Meine vorhandenen Grüntöne passten da nicht wirklich. Mischen ging dieses Mal auch nicht, weil ich keinen Plan hatte, wie und woraus ich Olivgrün hätte mischen können. Schlussendlich entschied ich mich einfach »schöne«, etwas dunklere Grüntöne zu verwenden, und nicht so etwas wie Apfelgrün oder Grasgrün.

Der Laugenunterschuss stand schnell fest. Blieb also noch der Duft. Nach langem Hin und Her fiel meine Wahl auf das PÖ »Ginger Lime«, eine warme, frische Zitrusnote. Lecker!

Beide Rezepte notierte ich schon mal vorsorglich auf meinem Blöckchen und harrte einer passenden Gelegenheit, zur Tat zu schreiten. Die ergab sich, dank meines »Langzeitprojektes« und anderer wichtiger Dinge, erst etwa vier Monate später.

Die Umsetzung

Zwischenzeitlich hatte ich neue Farben bekommen, bei denen zwei sehr schöne Grüntöne dabei waren, »Enchanted Forest« und »Chartreuse Sparkle«. Beide hatten sogar eine minimale Tendenz in Richtung Olivgrün.

Als ich darüber nachdachte, welchen Duft ich verwenden wollte, stellte ich erfreut fest, dass ich den, im Gegensatz zur genauen Farbe, schon vor Monaten auf dem Zettel notiert hatte. Bei »Ginger Lime« ist es dann auch geblieben. Lecker! Immer noch!

»Olive Oyl« hatte also folgende Zusammensetzung:

Da beide Olivenölseifen abgesehen vom Schaumfett die gleichen Fette enthielten, wog ich sie gleich für beide Seifen ab. Nr. 2 würde dann gleich im Anschluss folgen.

Meine Formen musste ich noch bereitstellen. Ich beschloss einige neue Formen endlich einzuweihen. Bei einer Einzelform und einem Tray wollte ich mich sogar schon vorab künstlerisch betätigen und sie teilweise mit Mica anpinseln.

Die Einzelform ein bisschen zu färben ging ja ganz gut, aber die Spiralen? Man soll ja nicht glauben, dass es so schwierig ist, in der Form befindliche, deutlich sichtbare Spiralen in einer exakten Linie anzupinseln … Vielleicht bin ich, was exaktes Nachpinseln angeht, aber auch einfach talentfrei?

Außerdem stellte ich zwei Messkannen bereit. In der ersten rührte ich die Farbe mit etwas Olivenöl an, in die zweite kam nur etwas Olivenöl. Ich würde wieder nur einen Teil färben.

Dann musste die Lauge angerührt werden. Weiße NaOH-Perlen in schöne, weiße Hafermilch geben und umrühren. Kein Problem! Die weiße Hafermilch bekam nach und nach sogar etwas Farbe, ein ganz zartes apricot. Als ich später, während sie abkühlte, zum wiederholten Mal umrührte, die große Überraschung:

20210807_212845_OliveOyl_Lauge_1_400_cut.jpg

Karottensaft?! - Nein, das ist tatsächlich die Hafermilch-Lauge! Davor steht die abgewogene Hafermilch für Seife Nr. 2.

Als ich die Lauge dann zu den Ölen gab, ist mir fast das Sieb übergelaufen. In der Hafermilch waren offensichtlich einige Bestandteile drin, die etwas ausflockten. Also musste ich die Lauge zur Abwechslung mal durchs Sieb streichen. Öfter mal was Neues …

Zu einer homogenen Masse pürieren ging aber ganz gut. Als der Seifenleim begann, anzudicken, rührte ich zügig das PÖ unter und füllte ihn in die vorbereiteten Tricherkannen, soviel es ging in die mit dem gefärbten Öl, den Rest in die andere.

Flugs umgerührt, konnte ich den Seifenleim in die Formen füllen, teils einfarbig, teils zweifarbig. Das PÖ zog nicht merklich an, sodass das sehr gut funktionierte. Mit Folie zugedeckt, durften die Formen wie üblich in den Keller.

Da Olivenöl langsam verseift, nahm ich die Folie erst zwei Tage später ab und wartete noch einen weiteren Tag mit dem Ausformen - diesmal nicht ohne sie vorher tiefzukühlen. Das werde ich vorerst wohl nicht mehr so schnell vergessen.

Die Taktik machte sich bezahlt. Lediglich die Spiralellipsoide musste ich, nachdem Nr. drei und vier leichte Dellen bekommen hatten, für die letzten beiden Exemplare im Tray noch einmal zwischenkühlen.

20210810_155832_OliveOyl_ausgeformt_600.jpg

Eine schöner als die andere … Es freut einen ja immer, wenn die Seifchen schön aus den Formen kommen, aber wenn man nach jeder einzelnen Seife einen Freudensprung machen möchte, hat das schon Seltenheitswert! Hänschen Rosenthal mit seinem »Spitze» hat ja auch keiner für verrückt gehalten!

Auch einfarbige Seifen können wunderschön sein! Waahh!!!

20210810_160248_OliveOyl_Elefanten_350.jpg  20210810_16030031_16_oliveoyl_Nashoerner_350.jpg
20210810_160516_OliveOyl_Badende_400.jpg  20210810_160712_OliveOyl_Drachenauge_400.jpg

Die Spirale der Ellipsoide wurde allerdings nicht so golden, wie ich geplant hatte. Ihrer Schönheit tat das aber keinen Abbruch. Schlichte Eleganz ist zeitlos und kommt eben immer gut.

20210810_161645_OliveOyl_Ellipsoide_1_350.jpg

Trotzdem wagte ich den Versuch, bei drei Seifen die Spirale nachzupinseln.

20210810_171316_OliveOyl_Ellipsoide_2_400.jpg

Über das Ergebnis kann man geteilter Meinung sein. Mir gefallen aber beide Varianten.

Das »Forumsfoto« darf bei solche Schönheiten natürlich nicht fehlen, wobei die Auswahl der Seifen noch nie so schwer war, wie dieses Mal:

20210814_192849_OliveOyl_600.jpg

Die tollen Seifen sollen nun möglichst lange reifen. Viel Zeit zum Angucken. Freu! Dann werden sie hoffentlich schön mild sein.


vorherige Seife            Übersicht            nächste Seife