»Aleppo Imitation«
Themen für den Traum-Schaum-Hüttenzauber im August waren Olivenölseifen und Milchseifen. Ich hatte sogar wirklich für beide Themen abgestimmt, und wenn schon beide Wunschthemen gewählt werden, ist das ja quasi Verpflichtung. Also meldete ich mich an, und kurz darauf ging es ran an die Töpfe, oder besser den einen Topf …
Da meine beiden jüngst entstandenen »Olivenöldamen« jeweils nur auf 65% Olivenölanteil kamen - und auch nur, wenn ich die Olivenbutter mit einrechnete - für die Olivenölseife im TSH aber mindestens 70%-80% Olivenölanteil gefordert waren, nutzte ich die Gelegenheit, eine andere Seife von meiner Tapete zu streichen. Da stand nämlich schon seit längerem eine Seife nach Aleppo-Art drauf: reines Olivenöl mit variablem Anteil an Lorbeeröl.
So schnell hatte ich noch nie ein Rezept zusammengestellt: Olivenöl und fettes Lorbeeröl im Verhältnis 80:20, sonst nix. Persönlicher Rekord!
Ich wollte sie als HP mit 10% Überfettung sieden. Nur, wie genau ich die Überfettung machen sollte, bereitete mir zunächst etwas Kopfzerbrechen. Und keiner in der Nähe, der mir von der Leitung helfen konnte …
Schließlich entschied ich mich, die Hälfte des Lorbeeröls als Überfettungsöl beiseitezustellen, die NaOH-Menge für das Olivenöl und die andere Hälfte des Lorbeeröls zu berechnen und diese Menge ohne weitere Änderungen zu verwenden.
Paradoxerweise gehörten die Aleppo-Seifen, die ich bisher käuflich erworben hatte, nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Die allererste, die wirklich wie einer dieser traditionellen Blöcke ausgesehen hatte, gefiel meiner Haut damals gar nicht. Allerdings war sie auch eine Kernseife. Vielleicht würde meine eigene, mit der gewünschten Überfettung meiner Haut mehr zusagen? Denn trotz allem haben diese Seifenblöcke etwas unglaublich Faszinierendes. Die Farbe, die Textur, die rustikale Optik … Schmacht!
Ich wollte so nah ans Original, wie es mir mit meiner spärlichen Erfahrung möglich war, nur eben mit 10% Überfettung. Ich wollte sehen, ob meine Version auch eine so schöne Farbe bekommen würde, und wie sich der Eigengeruch des Lorbeeröls bei meiner Version als »Seifenduft« machen würde.
Das war noch ein persönlicher Rekord, nämlich die bisher kürzeste Zutatenliste meiner noch jungen Siederinnenkarriere:
- Fette: Olivenöl, fettes Lorbeeröl
- ÜF: die Hälfte vom Lorbeeröl
- 0% LU + 10% ÜF
- Farbe: —
- Duft: —
Diesmal nahm ich wieder meinen Crock-Pot anstelle des Backofens zum Sieden. Das Abwiegen der Öle ging schnell wie nie. Das Olivenöl portionsweise reinschütten, das Lorbeeröl portionsweise dazu und einschalten. Die Seife der Rekorde!
Lauge anrühren und zugeben, pürieren und simmern lassen. Alles bestens - jedenfalls fast! Offensichtlich hatte ich mit 28% doch zu wenig Laugenflüssigkeit verwendet. Die Seife verwandelte sich beim Umrühren in einen Haufen Krümel, und auch das angewärmte Überfettungsöl unterzurühren, brachte keine hinreichende Verbesserung. Mist! Wäre ja auch zu schön gewesen.
Krümelseife würde ich kaum als neuestes »Must Have« auf dem Markt handgesiedeter Seifen etablieren können, als musste ich sehen, dass ich die Seife irgendwie glattgerührt bekam. Zähneknirschend griff ich doch noch zum Joghurt, den ich eigentlich, ganz bewusst, hatte weglassen wollen.
Joghurt sei dank, funktionierte das wenigstens, und ich konnte die Seifenmasse in die Blockform füllen und zum Aushärten in den Keller stellen. Ich wunderte mich ein wenig über die Farbe. Sie war hellbeige. Die Farbe gefiel mir, aber ich hatte einen zarten Grünton erwartet. Lag es am Joghurt?

Vielleicht starte ich ja irgendwann noch mal einen Versuch, meine Aleppo Imitation ohne Joghurt zu sieden? Und vielleicht kriege ich ja irgendwann auch mal eine HP hin, die richtig schön ist und nicht immer aussieht wie rustikales Kastenbrot? Wer weiß … Träum …

Beim Schneiden, ein paar Tage später, hatte sich die Farbe nicht merklich verändert. Die Seife war nach wie vor hellbeige und schlicht und unscheinbar - damit letztlich aber ja genau das, was ich wollte. Und der Duft war genau so, wie ich ihn von Aleppo-Seife kannte und erfreulicherweise dezent genug für meine Nase, denn der ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Insofern bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis:

Jetzt muss sie eine gute Weile reifen. Echte Aleppo-Seife wird ca. 9 Monate gelagert, bis sie verkauft wird. So lange wollte ich ihr mindestens Zeit geben.
Knapp zwei Wochen nach dem Sieden zeigte sich überraschend doch eine kleine Veränderung: die Seifenstücke bekam einen dezenten Grünstich! Bekomme ich am Ende doch noch meine grüne Aleppolivenöl-Seife? Hibbel