»Erdbeer-Schäfchen«
Die Platzkärtchen-Seifen gehen in die nächste Runde. Die ganz kleinen Gäste, die noch nicht in die Schule gehen, sollen ja auch was Hübsches bekommen. Das war die Gelegenheit, das Tray mit den süßen, kleinen Schäfchen einzuweihen. Weiße Schäfchen sollten es also werden. Hach, die sind aber auch süß!
Wichtig war mir außerdem eine kindertaugliche Zusammensetzung zu finden, mit der die Seife schön hart wird, schön schäumt und trotzdem nicht so schnell aufweicht, wenn die Zwerge unter dem Wasserhahn damit spielen.
Meine Recherchen führten mich zu Kakaobutter und Reiskeimöl, die unbedingt hineinkommen sollten. Ein Schaumfett und Rizinusöl als Schaumbooster und dann noch ein paar schöne Öle um die 100% vollzubekommen. Meine Wahl fiel auf Babassuöl, Distelöl und Sheabutter.
Beim weiteren Durchforsten meiner Quellen, fand ich allerdings einen Kommentar, in dem zu lesen war, dass die Kombination Kakaobutter, Sheabutter und Rizinusöl für ein schnelleres Andicken sorgte, weshalb dazu geraten wurde, das Rizinusöl wegzulassen. Wäre ja auch zu schön gewesen …
Damit ging das »Brüten« über das Rezept wieder von vorne los, und ich drehte noch an den Prozentzahlen und stellte eine zweite Variante des Rezepts zusammen, ohne Rizinusöl. Oder doch beim ersten bleiben? Grübel …
Farbe fiel ja aus, aber ein leckerer Duft für die Kleinen musste ja doch sein. Ich schwankte zwischen den PÖs »Grüner Apfel« und »Erbeertraum« und entschied mich letztlich für »Erbeertraum«, war es doch eine passende Gelegenheit, diesen endlich auszuprobieren.
Der konnte, wie ich gelesen hatte, eventuell etwas andicken und hatte wohl in einem Fall auch für eine Verfärbung der Seife gesorgt. »Grüner Apfel« dickte jedoch auch leicht an und verflüchtigte sich in der fertigen Seifen relativ schnell. Das hatte ich schon ausprobiert. Als wäre die Entscheidung nicht schon schwer genug …
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ich blieb bei meiner ursprünglichen Rezeptvariante und dem ursprünglich gewählten Duft. Schließlich wollte ich keinen komplizierten Swirl machen, sondern nur zusammenrühren und einfüllen. Wenn’s nix wird, verbuchen wir das eben als Lehrgeld. Basta! Andernfalls würde mich ohnehin nur bis in alle Ewigkeit fragen, ob meine Zusammenstellung funktioniert hätte …
Drin sind also:
- Babassuöl, Distelöl, h. o., Reiskeimöl, Kakaobutter, Sheabutter, Rizinusöl
- 10% LU
- Farbe: keine
- Duft: PÖ »Erbeertraum«
Da ich für das Schäfchen-Tray nur eine kleine Menge Seifenleim brauchte, wog ich diesmal nur 300g Fette ab. Die passten in den weißen Rührbecher, den ich von einer Freundin bekommen hatte, sodass ich nicht mit meinen Töpfen zu hantieren brauchte.
Der Rührbecher passte gerade so noch in meine Mikrowelle und so beschloss ich, die Fette in kleinen Etappen in selbiger zu schmelzen - ich brauchte nur zwei Etappen mit jeweils etwa einer Minute.
Die Lauge, wie üblich im Edelstahlkännchen angerührt, war auch schnell fertig. Diese kleine Menge war echt mal was Neues. Dann noch das abgewogene PÖ bereitgestellt, und ich konnte den Seifenleim herstellen.
Nebenbei gesagt, »Erbeertraum« in konzentrierter Form, direkt aus der Flasche, ist gewissermaßen »umwerfend« intensiv. Da freut man sich förmlich auf eine lange Reifezeit. Örks!
Ich rechnete damit, dass der Seifenleim schnell anzog und das tat er auch. Also hieß es zügig zu arbeiten. Das PÖ untergerührt und ab in die Förmchen. Die Schäfchen zu gießen war kein großes Problem, die »Notfallformen« funktionierten auch noch. Nur am Schluss durfte ich wieder anfangen zu spachteln, aber dennoch - es war geschafft! Trödeln darf man zugegebenermaßen nicht, aber der Seifenleim war drin.
Jetzt hieß es warten, wie die Seife sich entwickeln würde. Erst einmal sah alles ganz gut aus.
Am nächsten Tag konnte ich die Schäfchen, nach vorherigem Frosten, ausformen und sie sahen sehr gut aus. Sie waren nicht ganz weiß, aber mit Kakaobutter und Reiskeimöl mit einem Anteil von in Summe 35% konnten sie nicht reinweiß werden. Trotzdem waren sie für meine Zwecke hell genug.

Leider blieben sie nicht so hell, sondern dunkelten bereits in den folgenden Stunden immer weiter nach und nahmen einen honigfarbenen Beigebraun-Ton an. Oh je! Was für eine Schafrasse das wohl ist …
Am nächsten Tag konnte ich auch die »Restleimseifen« aus den Formen holen. Die Seifenstücke waren zwar immer noch sehr, sehr weich und wollten behutsam behandelt werden, aber sie waren schön glatt und sahen auch in dem hellen Beigeton, den sie angenommen hatten, sehr ansprechend aus.
Auch die Schäfchen schienen den dunklen Honigton nicht zu behalten, sondern sahen fleckig und stellenweise wieder heller aus. Ganz offensichtlich arbeitete die Seife noch … Dass Farbpigmente sich im Lauf des Verseifungsprozesses und der anschließenden Trocknung verändern können, wusste ich ja, aber hier war ja keine Farbe drin. Schafe beobachten … spannend!

Die Schäfchen und die Ellipsoide glichen sich in den folgenden Tagen allmählich aneinander an. Nach fünf Wochen waren Ellipsoide und Schäfchen immer noch ziemlich scheckig. Wälzen sich Schafe eigentlich auch gerne in Schlammpfützen, oder bleibt in der Wolle einfach nur so viel Dreck hängen? Wie auch immer, sie hatten sich in der letzten Zeit nicht mehr verändert. Ich musste also wohl oder übel mit gescheckten Erdbeer-Schäfchen leben.

Möglicherweise kamen die dunklen Schlieren vom PÖ, das sich aufgrund der Eile beim Unterrühren vielleicht nicht so gut verteilen konnte, wie gewünscht? Es schien zumindest die wahrscheinlichste Ursache zu sein.
Der Duft wiederum hatte sich sehr zu seinem Vorteil entwickelt. Der war jetzt angenehm und wirklich als schöner Erdbeerduft wahrnehmbar. Nach ausgedehnter Trocken- und Reifezeit, würden das also schöne Seifchen für kleine Kinderhände sein.
Nach zwei Monaten auf dem Trockenrost im Keller sahen die Schäfchen zwar immer noch leicht scheckig aus, aber das färbende PÖ hatte sich scheinbar doch etwas gleichmäßiger verteilt.

Es sind definitiv nicht die weißen Schäfchen geworden, die ich im Kopf hatte, dennoch sind es hübsche, wunderbar nach Erdbeeren duftende Kinderseifen. Und das kleine Reststückchen, das auf den oberen Fotos zu sehen ist, hat den Anwaschtest inzwischen mit Bestnote bestanden.