Geometrische Seife »Rhombus« - Finale 2
Noch mal zur Erinnerung:
Der Plan
Rhombenseife in zwei Blautönen und weiß mit einem angenehmen Herrenduft
Die Ingredienzen:
- Fette: Olivenöl, Babassuöl, Sheabutter, Avocadoöl, Rizinusöl, Cupuaçubutter
- 10% LU
- LF: 30% (statt der üblichen 33%, die ich bisher verwendet hatte)
- Farbe: »natur«, Mica in »Pearl Ocean Blue« und »Pearl Luster Blue«
- Duft: PÖ »Clear Sign«
Endspurt, zum Zweiten
Ich hatte, nach dem ersten Finale, aufgrund der in weiser Voraussicht einberechneten Reserve, noch jede Menge Rauten übrig. Damit konnte ich getrost einen zweiten Versuch starten, eine Seifenplatte mit … äh … zumindest weniger Lücken zu gießen. Frau ist ja durchaus auch mit kleinen Verbesserungen zufrieden … Also schlichtete ich den Divi ein zweites Mal mit Rauten voll.
Dieses Mal passten sie sogar noch etwas besser, weil die dunkleren, durch das Trocknen an der Luft und den damit verbundenen weiteren Wasserverlust, noch ein klein wenig geschrumpft waren, während die helleren in der Tüte ausharren mussten und so ihre Größe behalten hatten. Dadurch brauchte ich die jeweils letzte Raute in der Reihe nicht einmal mehr zurechtschneiden. So gefiel mir das Gesamtbild sogar noch besser als in Finale 1.
Während der Seifenleim im Enstehen begriffen war, nutzte ich die Zeit auch diesmal, um immer wieder die Spitzen der Rauten nachzujustieren. Egal, wie man sie drapierte, irgendwo passte immer etwas nicht. Also musste auch diesmal ein Kompromiss genügen. Ist ja schließlich handwerkliches Arbeiten und kein schnödes maschinelles Ausstanzen, gell? In Japan ist Perfektion angeblich sowieso den Göttern vorbehalten - habe ich zumindest mal gehört.
Den Seifenleim würde ich auch diesmal wieder 50/50 auf zwei Messkannen aufteilen und getrennt beduften. Nur würde ich diesmal die Konzentration des PÖs auf 2% reduzieren und beim Eingießen etwas anders vorgehen.
Doch zuvor zog ich erst einmal mit dem unbedufteten, mit etwas Titandioxid aufgehellten Seifenleim eine kleine, nadellose Spritze auf und versuchte damit die größeren Lücken in der Platte vom ersten Finale zu schließen. Das schien sogar ganz gut zu funktionieren. Für die ganz schmalen Spalten half das zwar auch nicht, aber mit diesen kleinen Schönheitsfehlern konnte ich leben, zumal sie auf der »Rückseite« der Seifen waren.
Dann begann der hektische Teil. Ich rührte den abgewogenen Duft so schnell ich konnte in die erste Kanne und goss den Seifenleim zügig in die Lücken. schnell UND gründlich ist ja schon eine Herausforderung. Wie gut, dass wir keine Ansprüche stellen …
Diesmal füllte ich sie aber immer gleich komplett und ging dann erst zur nächsten Aussparung. Wenn mein Plan aufging, würde der anfangs noch dünnflüssigere Seifenleim schnell genug in die schmalen Spalten laufen und der andickende Seifenleim musste dann nur noch die großen Lücken schließen.
Sobald die erste Kanne leer war, wurde die zweite abgewogene Portion Parfümol schleunigst in die zweite Messkanne eingerührt und die zweite Hälfte des Dividors gefüllt, auch wieder eine Aussparung nach der anderen. Und jetzt erst mal wieder atmen …
Das Schlimmste war geschafft, der Leim war drin! Und mein Adrenalinspiegel durfte sich wieder normalisieren. Es schien erst einmal funktioniert zu haben. Sehen konnte ich ja noch nicht wirklich etwas.
Schnell hob ich den Dividor hoch und klopfte ihn auf die Arbeitsfläche. Auch diesmal kamen wieder einige Luftbläschen zum Vorschein, die an der Oberfläche zerplatzen. Dann griff ich wieder zum Teigschaber und strich den Leim glatt. Was ich an überschüssigem Leim abnehmen konnte, füllte ich in bereitgestellte Becherchen.
Das ist dann quasi »Salatsaucenbecher-Recycling« statt sie einfach wegzuschmeißen. Die Becherchen, in denen der Pizzadienst immer seine Salatsaucen ausliefert, ergeben nämlich immer ganz tolle, handliche, runde Seifen. Einer der Vorteile, wenn die Küche zwecks Seifeln blockiert ist. Man kann lecker Pizza bestellen …
Den Dividor deckte ich zu und brachte ihn in den Keller. Die Seife durfte sogar noch länger in der Form bleiben als die erste. Doch irgendwann schlug auch für sie die Stunde der Wahrheit oder vielleicht doch eher für mich? und ich formte sie aus.
Wie würde die Unterseite diesmal aussehen? War mein Plan aufgegangen und weniger Spalten vorhanden? Tief Luftholen und mutig umdrehen …

Jup! Die Unterseite sah eindeutig besser aus, als die beim ersten Finale! Es gab nach wie vor kleine Lücken, aber weniger und kleiner. Ich hatte das bestmögliche Ergebnis erreicht. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.
Nun durfte Seifenplatte Nr. 2 zusammen mit der ersten Platte noch ein paar Tage im Keller trocknen, bis ich mich endlich dazu durchringen konnte, sie zu schneiden; brauchte ich doch erst noch einen Plan, wie groß ich die Seifenstücke eigentlich haben wollte und wie ich einen geraden Schnitt über die ganzen 33cm Länge hinbekommen sollte.
Nach einigem Herumprobieren mit Abdecken verschiedener Größen und Formate, entschied ich mich für eine Breite von fünf Rauten - sechs hätten mir zugegebenermaßen noch besser gefallen, aber damit wären die Seifenstücke dann zu groß geworden - 9cm Breite fand ich genug. Schließlich hat ja nicht jede/r Hände in Größe »Klodeckel«.
Blieb noch die Frage nach der Schneidmethode … Mein langes Palettenmesser, mit dem ich Tortenböden schneiden konnte, war zwar lang und scharf genug, aber auch sehr biegsam. Ein kerzengerader Schnitt durch eine harte Seife schien mir damit schwer möglich. Mit einem kürzeren Messer war es aber noch schwieriger. Das hatte ich beim Schneiden der Rauten bereits festgestellt.
Schließlich erinnerte ich mich daran, wie gut sich Biskuitböden mit Sternzwirn schneiden ließen. Mit einem gespannten, starken Zwirn konnte der Schnitt ja eigentlich nur gerade werden. Und tatsächlich war die Seife noch weich genug und ließ sich gut damit schneiden.
Ich sägte die beiden Seifenplatten damit aber nur teilweise durch und erledigte den Rest - als mehr oder weniger nichts mehr »schiefgehen« konnte - dann doch mit meinem Seifenmesser. Meine Finger, die den Sternzwirn gespannt halten mussten, dankten es mir. Striemen an den Fingern knet …
Das Quer-Durchschneiden war dann kein Problem mehr. Dazu war das Messer lang genug. Bezüglich der Höhe entschied ich mich für ca. zweieinhalb Rauten. Das passte genau für vier Seifen, und 8cm ergaben mit der Breite ein ansprechendes Format.

Damit war die nächste Etappe geschafft und es stand nur noch eine letzte Aktion aus: das Hobeln. Auch dieses schob ich einige Zeit vor mir her. Den eigens dafür angeschafften Seifenhobel hatte ich zwar irgendwann endlich zusammengebaut, aber ihn einzuzetzen kostete erstaunlich viel Überwindung. »Die Seife ist noch viel zu weich!« und Ähnliches, was so ein innerer Schweinehund da so alles an Ausreden findet, unglaublich!
Nach zehn Tagen brachte ich meinen inneren Schweinehund zumindest soweit zum Schweigen, dass ich mich an zwei kleine »Reststückchen« meiner Seife, eines von jedem Finale, wagte und diese probehobelte. Frau will ja nicht gleich das schönste Seifenstück ruinieren, falls es schief geht.
Einen Plan B, wenn das Hobeln wirklich nicht klappen würde, hatte ich nicht - und war erleichtert, dass ich auch keinen brauchte. Das Teststück von Finale 1 ließ sich zwar besser hobeln als das von Finale 2, weil es trockener und etwas härter war, aber beide funktionierten.
Links die Rückseite und rechts die Vorderseite des Teststücks - die kleine Kugel ist aus den abgehobelten Spänen geknetet:

Leider bestätigte sich meine Befürchtung, dass das Hobeln viel Zeit in Anspruch nehmen würde, auch, weil ich alle sechs Seiten glätten wollte. Also entschloss ich mich, das ganze auf Etappen zu machen. Immer wieder mal ein paar Seifen zu hobeln würde, bis ich die erste zum Ende des Schuljahres verschenke wollte, schon irgendwie machbar sein.
Wie schön, wenn man seinen inneren Schweinehund austricksen kann. Es funktionierte, und elf Tage vor dem letzen Schultag des Jahres war ich fertig - in jeder Hinsicht - und so unbeschreiblich glücklich und erleichtert, dass ich es endlich geschafft hatte! Zu einem echten Freudentanz fehlte mir nach der letzten intensiven Hobelaktion die Energie.

Soll noch einer sagen, ich hätte keine Geduld … Von Anfang der Osterferien bis kurz vor Ende des Schuljahres - und Bayern ist ja immer als letztes dran - ist ein echter Marathon.
Und bei keinem meiner bisherigen Projekte habe ich so viel gelernt, wie bei diesem:
- Farben, die im Tütchen wunderbar zueinander passen, müssen das in der gleichen Seife noch lange nicht tun.
- Parfümöl, das bei einer Konzentration von 3% noch gut mitspielt, kann bei einer Konzentration von 5% und/oder einer anderen Fettzusammensetzung trotzdem Blitzbeton verursachen.
- Wenn ein PÖ zum schnellen Andicken neigt, ist die Reduktion der Wassermenge kontraproduktiv, auch wenn viel Olivenöl drin ist. Dann muss halt eine entsprechend lange Trockenzeit einkalkuliert werden.
- Schöner flüssiger Seifenleim kann während des Eingießens spontan seinen Aggregatzustand verändern und zu Spachtelmasse mutieren, egal wie sehr man sich mit dem Eingießen beeilt.
- Kleinere Rauten sind die bessere Wahl für eine handliche Seifengröße.
Doch so nervenaufreibend das zwischenzeitlich auch war, weiß ich jetzt schon, dass ich zu den Wiederholungstätern gehören werde.
Dieses Ergebnis ist doch alle Mühen Wert:

Und beim nächsten Mal dann vielleich in grün? … oder violett? … oder orange? … Neonfarben leuchten bestimmt auch schön … wobei … kann man die eigentlich auch abdunkeln? …
So viele Farben … so viele Möglichkeiten … Hach!
Und ich möchte ja schon wissen, ob ich das beim nächsten Mal einfacher hinbekomme …