HP-Seife »Android«
Was schenkt man jemandem, der eigentlich nichts braucht, zum runden Geburtstag? Vor diesem Problem steht man ja immer wieder. Irgendwann fand ich dann doch ein passendes Geschenk für den Jubilar und kam außerdem auf die Idee, noch eine Seife dazuzupacken. Ich habe aber auch immer komische Ideen. Wer verschenkt schon Seife …
Eine passende mit Herrenduft zum Verschenken hatte ich allerdings nicht mehr im Bestand - die noch vorhandenen waren reserviert - und die Zeit drängte. Damit blieb eigentlich nur eine Heißverseifte übrig. Die konnte ich noch schnell genug fertigstellen. Hätte mir ja auch eher einfallen können …
Der Plan
Meine erste HP, die »Gorgonzola«, hatte ich inzwischen getestet und für gut befunden. Also beschloss ich, mich beim Rezept nicht auf neue Experimente einzulassen, sondern einfach dieses zu verwenden.
Als Farbe wählte ich wieder dasselbe Blau, wie schon bei der Gorgonzola. Nur würde ich es diesmal gleich ins Überfettungsöl rühren, statt es erst zu vergessen und dann nachträglich in Form von »Schimmelkulturen« unterzumengen. Der Blauton würde ohnehin spannend werden, war der Grundleim doch gelb und die Seife eine HP … In vielen nicht-indogermanischen Sprachen gibt es oftmals nur ein Wort für Grün und Blau. Ist also eh dassselbe …
Beim Duft fiel meine Wahl nach einiger Überlegung und ein bisschen Testschnuppern an den Fläschchen - Nein, davon wird man nicht high - auf das PÖ »Android«, einen angenehmen, dezenten Herrenduft.
- Fette: Kokosfett, Fettstange, Distelöl, h. o. h. o., Rapsöl
- Überfettungsöl: Macadamianussöl
- 2% LU + 10% ÜF
- Farbe: Mica »Blue«
- Duft: PÖ »Android«
- Sonstiges: Naturjoghurt
Blieb noch die Frage nach der Form zu klären. Eine HP in Einzelformen zu abzufüllen, war vorerst noch keine Option. Dieses klebrige, zähe, gummiartige Zeug zeigte sich von meinen Wünschen und Anforderungen zu meinem Leidwesen bislang unbeeindruckt. schmoll … Also besser eine Blockform und dann schneiden? … Oder … jaaa! …
Chipsrollen-Recycling! Soviel zum Thema keine Experimente …
Die Realisation
Die Fette waren schnell abgewogen, und der Seifenleim im Crock-Pot schnell hergestellt. Die Farbe mit dem Überfettungsöl zu vermischen, war eine sehr gute Idee, die auch tatsächlich hervorragend funktionierte.
Die klebrige Masse aus dem Keramiktopf in die Chipsrolle einzufüllen, war nicht ganz so einfach. Dieser Blob hat scheins irgendwie ein Eigenleben. Aber es klappte zum Glück ohne Pannen und Geklecker. Immerhin!

Das Ausformen
Die Chipsrolle als Form ist grundsätzlich praktisch und bringt ihren Deckel zum Minimieren der Sauerstoffzufuhr gleich mit.
Dennoch hatte sie in meinem aktuellen Fall den Nachteil, dass sie relativ gut isoliert. Die Seife blieb sehr lange warm und brauchte dementsprechend lange um auszuhärten. Ich musste mit dem Gefrierfach nachhelfen, damit ich überhaupt eine Chance hatte, den klebrigen Zylinder in einem Stück auszuformen.
Dann war noch die Frage, wie ich sie überhaupt aus der Form bekommen sollte. Sie würde mit sicher nicht den Gefallen tun und einfach »aus der Rolle fallen«.
Den Boden mit einem Dosenöffner aufschneiden und herausdrücken, wie ich gelesen hatte, funktionierte nicht. Mein Dosenöffner sah nicht die geringste Veranlassung diese Chipsdose ihres Bodens zu entledigen.
Aufreißen klappte auch nicht. Sie ist zwar schön spiralig aufgewickelt, wie die Papprollen von Toilettenpapier oder Küchentüchern, aber die »Nahtstellen« funktionieren in diesem Fall nicht als Sollbruchstellen. Chipsrollen sind eben nicht nur Pappe, sondern auf der Innenseite beschichtet. Und die Folie widersetzte sich hartnäckig meinen diversen »Zerreißproben«. Hat jemand die Telefonnummer von Hulk oder Mr. Incredible?
Also half nur, die Rolle nochmal kurz tiefzukühlen und dann eine Messerattacke zu starten und sie vorsichtig aufzuschlitzen. Diesmal hatte die Chipsdose keine Chance! Har har!
Der recht »rustikal« anmutende Seifenzylinder musste dann erst noch einige Stunden trocknen, bis er endlich nicht mehr klebte und ich ihn schneiden konnte. Jeder Kleber trocknet ja schneller. Das ging dann dafür aber sehr gut. Die Seifen »von der Rolle« werden allerdings im Vergeich zu meinen sonstigen Formaten relativ groß. Es wurden auch nur acht Stück.
Nach einer weiteren Trockenphase kam als Deko noch ein Stempel drauf. Diesmal eine silberne Sonne. Die machte sich auf den runden Seifen ausgesprochen gut - zumindest auf den vieren, die ordentliche Scheiben ergaben.
Die anderen vier hatten leider in der Mitte ein kleines Loch - da ist noch etwas Übung beim Einfüllen und Luft Herausklopfen erforderlich - und die oberste war eher ein »Krater« denn eine Scheibe, weswegen ich den Stempel hier einfach auf der glatten Unterseite der Seife aufgebracht habe.

Mit gebrochenen Kanten sahen sie auch ein bisschen eleganter aus, aber da habe ich - wie schon beim Zylinder - mal wieder vergessen, zu fotografieren. Was ja dann quasi heißt, dass wir nochmal so einen Zylinder brauchen, gell? Dumm, das …
Insgesamt war die Seife vielleicht kein Glanzstück, und einiges ist definitiv verbesserungswürdig, aber als spontane Last-Minute-HP ist sie ganz gut geworden. Ihren Zweck erfüllte sie jedenfalls. Ich wollte zwei schöne Seifen zum Verschenken haben und hatte noch zwei weitere Verschenkbare als Reserve. Die vier mit »Einschussloch« würden wir dann selbst irgendwann testen. Passte also!