Haarseife, die Zweite

Meine erste Haarseife war zu meiner eigenen Überraschung ein echter Erfolg. Sie war noch nicht perfekt, aber für den ersten Versuch, war sie erstaunlich gut.

Sie schäumte gut, ließ sich gut auswaschen, die Haare fühlten sich leicht und seidig an und ließen sich kämmen. Etwas mehr Pflege konnte sie vertragen und für unser extrem kalkhaltiges Wasser durfte ich noch etwas mehr Zitronensäure zugeben.

Eine Freundin, die meine Haarseife getestet hatte, bestätigte meine Erfahrungen. Ich lag also nicht so falsch mit meinem ersten Rezept. Da der Bestand meiner ersten Haarseife langsam zur Neige ging, beschloss ich, für den fälligen zweiten Versuch das Rezept anzupassen.

Da ich dank meines schlauen Buches mit der ersten Haareife so einen Glückstreffer gelandet hatte, zog ich dieses wieder zurate und studierte die Hinweise, wie ich das Rezept verändern konnte:

Für mehr Pflege konnte ich den Palmfettanteil reduzieren und dafür etwas mehr Olivenöl, Avocadoöl und Sheabutter verwenden. Nach einigem Überlegen, wie hoch ich die Anteile wählen wollte, entschied ich mich, auf’s Ganze zu gehen und das Palmfett gleich ganz zu ersetzen.

Als Duft wählte ich diesmal eine andere Mischung aus ätherischen Ölen, die im Buch angegeben war.

Das neue Rezept sah damit wie folgt aus:

Dieses Mal war ich ein bisschen schlauer beim Herstellen der ÄÖ-Mischung. Ich mischte die Öle nämlich schon einige Tage vorher, sodass sie Zeit hatten, sich zu vermischen und der Duft sich richtig entwickeln konnte. Das war auch gut so, da ich für meine Nase tatsächlich etwas nachbessern musste.

Nun alles fein säuberlich auf meinem Blöckchen notiert, zum Abhaken, und es konnte losgehen. Mittlerweile hatte ich mir das »Negativwiegen« angewöhnt, d. h. die Ölflasche bzw. Verpackung kam auf die Waage und der Inhalt häppchenweise gleich in den Topf.

Fette im Crocky schmelzen, Lauge dazu und zum Pudding pürieren - ein Glück, dass echter Pudding schneller geht - köcheln lassen, bis es mal wieder Zeit ist zum Umrühren:

20210616_224344_Haarseife_II_imTopf_400.jpg

Wie ich so rührte, dachte ich über das Rezept nach und begann zu überlegen, ob ich in der letzten Haarseifen eigentlich den im Originalrezept angegebenen Honig zugegeben und am Ende vergessen hatte, ihn aufzuschreiben … Alzheimer lässt grüßen … Ts!

So sehr ich überlegte, es wollte mir nicht einfallen! Also beschloss ich kurzerhand, mit dem Überfettungsöl und dem Joghurt auch noch Honig dazuzupacken. Dann würde sich schon herausstellen, ob in der ersten einer drin war, oder nicht …

Ich rührte den angewärmten »Öl-Honig-Joghurt« unter - Honig? Joghurt? Lecker! Fehlen ja eigentlich nur Walnüsse … - Die Masse bekam zum meinem Erstaunen eine mir bislang unbekannte Konsistenz. Sie wurde flüssiger, als ich es bisher kannte, aber auch klebriger, als ich es bisher kannte. Wer hätte gedacht, dass das geht. Zäh und gummiartig war das Zeug trotzdem noch.

Damit hatte ich meine Antwort: der Honig war ein ungeplantes, spontanes Zusatzexperiment und in meinen beiden bisherigen HP-Seifen nicht enhalten. Nur eine Sache auf einmal zu testen wäre ja langweilig. Wo bleibt denn da der Spaß!

Zum Schluss noch den Duft dazugegeben, angewärmt und untergerührt und die Seifenmasse in die Blockform verfrachtet:

20210617_001109_Haarseife_II_eingefuellt_600.jpg

Die Seife wirkte dunkler als beim ersten Mal. Machte das der Honig? Oder doch das mäßige Plus an Oliven- und Avocadoöl? Mal sehen, wie sie sich beim Abkühlen entwickelte. Der Duft war, wie das für meine Nase bei frischen Seifen häufig der Fall ist, erst einmal etwas seltsam und nicht wirklich so, wie ich ihn gemischt hatte.

Am nächsten Tag versuchte ich, die Seife auszuformen. Es blieb bei dem Versuch. Sie war zwar kalt und theoretisch »ausgehärtet«, aber leider nur theoretisch. Der Honig hatte die Konsistenz derart verändert, dass sie wohl nach wie vor als Kleber getaugt hätte und noch immer viel zu weich war. Ein weiterer Beweis dafür, dass ich bisher keinen Honig verwendet hatte.

Notgedrungen brachte ich die Form samt Inhalt wieder in den Keller. Ich würde dann am nächsten Tag einen neuen Versuch starten.

Auch am nächsten Tag war die Seife noch sehr weich, aber zumindest konnte ich sie aus der Form holen. Wie meine beiden ersten HP-Seifen bot auch diese einen eher »rustikalen« Anblick. Die »Vorderseite« (linkes Bild) wies ein paar Unregelmäßigkeiten auf, die »Rückseite« (rechtes Bild) war dagegen erstaunlich glatt:

20210618_121204_Haarseife_II_vorne_350.jpg 20210618_121600_Haarseife_II_hinten_350.jpg

Ich beschloss, mit dem Schneiden der Seife noch zu warten und brachte sie wieder in den Keller zum weiteren Aushärten.

Ich weiß nicht mehr, wie lange genau, aber es könnten zwei oder drei Wochen gewesen sein, bis die Seife hart genug und nicht mehr klebrig erschien, und ich endlich zur Tat schreiten und den Schneider ansetzen konnte.

In der Zwischenzeit hatte ich beschlossen, dieselbe Seife noch einmal ohne Honigzusatz zu sieden, um einen direkten Vergleich zu meiner ersten Haarseife zu haben. Ich wollte ja die veränderte Fettzusammensetzung testen.

Um die beiden neuen Varianten mit und ohne Honig besser auseinanderhalten zu können, entschied ich, der Haarseife mit Honig eine »Dauerwelle« als Schnittform zu verpassen.

Beim Schneiden stellte sich jedoch heraus, dass sie trotz aller Geduld noch immer sehr weich war und noch viel Zeit zum Durchtrocknen brauchen würde.

Sechs Wochen nach dem Sieden entstand das »Forumsfoto«. Erst danach habe ich sie endlich verpackt.

20210727_182357_Haarseife_II_600.jpg

Infos, wie sie sich bei der Haarwäsche macht, und ob der Honig Auswirkungen hat, werden nachgeliefert. Der Test steht noch aus.


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