»Lilac Cloud«

Es stand mal wieder ein gemeinsames Wochenende mit der Clique an und wir Ladies hatten beschlossen, gemeinsam Seife zu sieden, damit sie einen kleinen Einblick in das Entstehen einer Seife bekommen konnten.

Der Plan

Geplant hatte ich, nach reiflicher Überlegung, welche Seife sich relativ einfach bewerkstelligen ließ, aber trotzdem eine ansprechende Optik haben würde, eine große Charge mit Blockstreifen oder Taiwan-Swirl in grün, violett und weiß mit Fliederduft.

Das »Flieder« PÖ sollte sich zwar angeblich »brav« verhalten und überhaupt nicht andicken, aber so ganz traute ich dem Frieden nicht, war es doch ein Blumenduft eines Händlers, dessen Blumendüfte meistens mehr oder weniger zügig andickten. Ich hatte es ja schon verwendet, konnte mich aber dummerweise nicht mehr daran erinnern, wie schnell es angezogen hatte.

Wie gut, dass ich drei Paar Hände mehr haben würde. Nur zuschauen war ja schließlich langweilig. Und so entschied ich mich, die helfenden Hände schamlos auszunutzen, und der Taiwan war beschlossen.

Ich änderte den Plan von drei auf vier Farben. So konnte jede von uns eine Farbe anrühren und in die jeweilige Kammer füllen. Einfach nur das PÖ unterrühren und postwendend eingießen sollte sich mit dem »Flieder« PÖ in jedem Fall machen lassen. Dessen war ich mir sicher.

Die nun vier Farben waren, wie geplant, grün, weiß und violett sowie ein dunklerer Violett-Ton, den ich aus dem violetten und etwas schwarzem Mica mischen wollte. Der weiße Anteil würde ungefärbt bleiben.

Das Rezept stand sowieso schon ziemlich schnell fest: Meine für diesen Swirl übliche »White Cloud«, wieder in Variante III und wieder mit Zitronensäure und etwas Kochsalz

Die Vorbereitungen

Wie schon eine Woche zuvor, hieß es packen, nur mit größerem Topf, größerer Blockform, usw. - und ohne vorbereitete Sachen. Die Ladies sollten ja die ganze Prozedur kennenlernen. Ich dachte diesmal sogar an die kleinen Becherchen zum Abwiegen des PÖs, die ich beim Siedertreffen vergangene Woche vergessen hatte mitzunehmen. Perfekt, freute ich mich.

Kurz nachdem wir losgefahren waren, schoß mir allerdings ein Gedanke durch den Kopf und wollte wissen, wo ich denn eigentlich den Pürierstab hingetan hatte … äh … jaaa …

Ich konnte mich tatsächlich nicht daran erinnern, ihn überhaupt in der Hand gehabt zu haben, und musste daher befürchten, dass er zu Hause stand. Das fing ja gut an …

Dass es in dem Ferienhaus einen Pürierstab gab, war eher unwahrscheinlich und ich musste darauf hoffen, dass wenigstens ein Edelstahl- oder Kunststoff-Schneebesen vorhanden war … Ein Rezept, das lange flüssig bleibt mit der Hand rühren … Grandios!

Nach etwa der Hälfte der Strecke, fragte ich mich, wo mein Thermometer war…

Zu Hause? … Das Sieden stand wohl an diesem Wochenende unter keinem guten Stern …

Da ich nicht erwartete, im Ferienhaus ein Bratenthermometer vorzufinden, würde ich mich auf das »handwarm« meiner Hände verlassen müssen. Also neben rühren nach Gefühl auch noch temperieren nach Gefühl … »Eine Hausfrau hat das im Gefühl!« (Loriot) …

Kurz vor der Ankunft, fiel mir noch ein, dass ich vermutlich auch die Holzstäbchen zum Swirlen vergessen hatte. Konnte das wahr sein? …

Nun, irgendein Besteckteil würde eben als hoffentlich halbwegs brauchbarer Ersatz dienen können. Zu ändern war es eh nicht mehr. Es lebe die Improvisation!

Zum Glück war es das für diesen Tag mit Katastrophen. Notiz an mein Hirn: Beim nächsten Mal Seifelzeug zusammenpacken bitte nach dem Verbleib von Gegenständen fragen, BEVOR wir losfahren! Verbindlichsten Dank!

Am Ziel angekommen inspizierten wir das Haus und bezogen unsere Zimmer. Erfreulicherweise verfügte das Ferienhaus über eine schöne, große Küche, in der wir am nächsten Tag mit dem Seifeln loslegen konnten.

Wir schreiten zur Tat

Nachdem ich erklärt hatte, was wir machen würden, durften meine Helferinnen die Fette abwiegen und abhaken und später die Öle in die geschmolzenen Fette geben. Um die Lauge kümmerte ich mich: entmineralisiertes Wasser abwiegen, Kochsalz darin auflösen, Zitronensäure abwiegen und ebenfalls darin auflösen.

Damit war es für uns alle an der Zeit Schutzbrillen und Handschuhe anzulegen. Jetzt konnte ich das NaOH abwiegen und nach und nach zur Laugenflüssigkeit geben.

Während Fette und Lauge abkühlten, bereiteten wir gemeinsam die Farben vor und rührten in den Kännchen die Micas jeweils in etwas Öl an. Das PÖ verteilte ich auf vier Becherchen.

Dann packte ich die große Blockform aus und wollte die Trenner einlegen. Ich konnte die Form in zwei, drei, fünf oder sechs gleich große Kammern aufteilen. Wer findet den Fehler? Genau! Ausgerechnet die benötigten vier gleich große Kammern funktionierten nicht. Das hatte ich leider nicht mehr auf dem Schirm, weil ich die Trenner längere Zeit nicht benutzt hatte - und noch nie vier Kammern gebraucht hatte.

Wohl oder übel musste ich kurzfristig umdisponieren. Es sollten also nun violett und grün in die beiden großen und dann weiß und dunkelviolett in die beiden kleineren Kammern gefüllt werden.

Als Fette und Lauge eine für meine Hände passende Temperatur hatten, konnte ich die Lauge durch das Sieb zu den Fetten geben und die Rühr-Session konnte beginnen. Mit dem Schneebesen ist das eine ziemlich undankbare Aufgabe. Aber eine meiner Damen traute sich ran, und wir wechselten uns beim Rühren ab - mein Arm war sehr dankbar dafür.

Sobald der Seifenleim zu emulgieren begann, konnte ich ihn - aufgrund der beiden außerplanmäßig unterschiedlichen Kammergrößen nur Pi x Daumen - aufteilen und wir rührten die Farben unter. Das klappte hervorragend und so musste nur noch der Duft dazugerührt werden und wir konnten einfüllen. Auf mein Augenmaß beim Aufteilen des Seifenleims war zum Glück Verlass und alle Kammern wurden randvoll.

Den restlichen Seifenleim in den Kannen, durften die Damen schon mal in die kleine Blockform klecksen, während ich versuchte die Trenner aus der großen Blockform zu entfernen. Die waren so fest drin, dass ich Mühe hatte, sie herauszubekommen. Mit Küchentüchern über den Handschuhen klappte es endlich und ich konnte mich daran machen, den Taiwan-Swirl zu fabrizieren. Das Edelstahlbesteck im Ferienhaus hatte zu meiner großen Freude eine annähernd rechteckige Stielform mit breitem, fast geradem Ende, sodass der Taiwan in der Form am Ende ganz passabel aussah.

Der Verseifungsprozess arbeitete und zu meinem Erstaunen wurde, während wir die Küche aufräumten, aus dem schönen, frischen Grünton plötzlich ockergelb. Ich hatte Mica verwendet und kein Kosmetikpigment, bei dem Farbumschläge durchaus vorkommen konnten. Ich hatte auch dieses grüne Mica bereits verwendet und keinen Farbumschlag während des Verseifungsprozesses beobachtet. Seifenkobold Klaus? …

Ich vermutete, dass der Farbumschlag nach vollendeter Verseifung wieder verschwinden und das Ockergelb wieder grün werden würde. Und ich vermutete richtig.

Die große Blockform heizte ordentlich auf und wurde warm. Leider bildete sich oben ein ganz kleiner Riss, der mir etwas Sorgen bereitete. Aber so warm wie die Seife war, konnte es eigentlich keine nasse Kreide sein.

Das Ergebnis

Die Resteseife in der kleinen Blockform löste sich schon nach ein paar Stunden am Rand von der Form. Die war allerdings auch aus Silikon. Am nächsten Tag konnte man sie schon vorsichig herausdrücken. Trotzdem ließ ich sie für die Heimreise noch drin und holte sie erst nach einer Woche komplett aus der Form.

Oben hatte sich wieder Sodaasche gebildet, aber das kam bei diesem Rezept häufig vor.

20241027_193345_LilacCloud_Resteseife_oben_400.jpg

Die Unterseite sah richtig schön aus:

20241027_193225_LilacCloud_Resteseife_unten_400.jpg

Die kleine Resteseife schnitt ich in fünf Stücke, die dann im Keller vor sich hin trocknen und aushärten durfen.

Die große Form war aus Kunsstoff und »hing« immer sehr an Seifen mit diesem Rezept. Dieses Mal stellte sie allerdings einen Rekord auf.

Ich versuchte immer wieder mal, eines der Seitenteile der Form zu lösen. Bei ersten Teil riss eine kleine Menge der Seife mit ab und blieb am Seitenteil kleben. Also wartete ich weiter ab, bevor ich das nächste Seitenteil zu lösen versuchte.

Das zweite Seiten teil ging besser, aber auch da blieb ein kleine Menge an der Form kleben. Also wieder abwarten und die kleinen Seitenteile ablösen. Doch auch das lief nicht so »glatt« wie ich wollte.

Die Bodenplatte war die Hartnäckigste. Die hatte bisher nicht trocknen können und so musst ich weiter abwarten.

Nach sage und schreibe 49 Tagen - sieben Wochen!!! - hatte sich die Seife endlich soweit von der Bodenplatte gelöst, dass ich den Rest mit dem Messer schneiden konnte. Frühere Versuche mit Sternzwirn oder Messer hätten nur noch mehr Schaden angerichtet. Dennoch riss auch mit der Bodenplatte etwas von der Seife ab und blieb an der Form kleben.

Aber zumindest war sie da schon ausgehärtet genug, dass ich gleich schneiden konnte.

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Die Sodaasche hobelte ich von den kleinen Blöcken ab. So kam der Swirl sehr viel besser zur Geltung:

20241208_005316_LilacCloud_geschnitten_01_400.jpg

Ein klassischer Taiwan sah doch ein klein wenig anders aus, aber er war in jedem Fall zu erkennen. Der feine, dunkelviolette Streifen gab der Optik das gewisse Etwas.

20241208_043735_LilacCloud_geschnitten_04_600.jpg

Die jeweilige Unterseite betrachtet zeigte zumindest in der Bodenreihe ganz unten, wie die Farbverteilung eigentlich war.

20241208_012914_LilacCloud_geschnitten_03_600.jpg

Alles in allem ist die Seife gelungen und Fliederduft geht sowieso immer.

Und wenn man sich jetzt ein paar Sahnestücke heraussucht und die richtig in Szene setzt, sieht das Ergebnis doch phänomenal gut aus:

20241215_204406_LilacCloud_600.jpg

Zum jährlichen Nach-Weihnachts-Brunch trafen wir uns in der Clique wieder und die Ladies bekamen jede ein paar Seifen - sie hatten ja schließlich mitgearbeitet.


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